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Wohl bekomm’s…und ruhe in Frieden

Ein makabres Thema, serviert als pechschwarze Komödie, amüsiert das Publikum in Bonstetten

Nadia Goedhart erntet als sexy Gattin des verstorbenen Bestsellerautos Böhm im engen Minikleid anerkennende Pfiffe aus dem Publikum.


Ein makabres Thema, serviert als pechschwarze Komödie, amüsiert das Publikum in Bonstetten

von regula zellweger

Man stutzte schon beim Lesen des Programms vor Beginn der Premiere am vergangenen Samstag im Gemeindesaal Bonstetten: Gespielt wird der Bestsellerautor Gustav H. Böhm von Myrtha Aeberli. Da konnte doch was nicht stimmen! Während des unterhaltsamen Theaterabends stimmte ganz viel nicht: Der Tod des Toten, ein Totenschein, so locker hingeworfen wie ein Parkbussenschein, die Treue der jungen Ehefrau, die finanzielle Lage des Schwiegersohns und die Berufsethik des Kreditvermittlers. Nur eine einzige Person durfte einen «Gutmenschen» spielen: Erika Umiker als Haushälterin, die in ihrer Ehrlichkeit und Naivität fast in den Wahnsinn getrieben wird, spielte ihre Rolle brillant.

Grosses Engagement

Wenn das Licht ausgeht und nur ein Lichtschimmer und etwas Rauch aus dem Sarg am Bühnenrand dringen, wird einem klar, dass die Schauspieler im Rampenlicht stehen und eine Menge Applaus abbekommen, während andere still im Hintergrund genauso aufwändig und präzise arbeiten. Michael Moll zeichnet für die Technik verantwortlich und engagierte sich auch sehr beim Bau des Bühnenbildes. «Es braucht viel Zeit, macht aber wirklich Spass», erzählt er. Er arbeitet wie alle anderen aus Freude an der Sache und ohne Honorar. Der Theaterverein bringt das Stück auch in einer geschlossenen Veranstaltung für behinderte Menschen zur Aufführung.

Spass macht auch sichtbar das Spielen. Die Haushälterin in Nachthemd und Nachthaube erntete zu Beginn schon viele Lacher, Frank Kleiner als Schwiegersohn spielte äusserst lebendig. Roger Seiler überzeugte als Arzt und Nadia Goedhart, als frischgebackene, sexy Witwe, erntete Männerpfiffe beim spektakulären ersten Auftritt.

Selbstverständlich dürfen 2015 der Bestatter, Kaspar Locher, und ein Kredithai, Kurt Good, nicht fehlen. Miranda Goedhart spielt die naive Tochter Böhms, die vom geldgierigen Ehemann nicht gerade respektvoll behandelt wird. Im richtigen Leben ist das aber anders. Die Holländerin spielt nicht nur, sie führt auch Regie und war für die Gestaltung des Bühnenbildes zuständig – und hat die Fäden offensichtlich gut in den Händen.

Wortwitz und komische Situationen

Es brauchte wahrscheinlich schon etwas Mut, ein ernstes Thema wie den Tod in einer Komödie ins Zentrum zu stellen. Das ganze Stück aber kon-zentriert sich nicht auf das Sterben und die Trauer, sondern auf das oft makabre Verhalten von Menschen rund ums Sterben und vor allem beim Erben. «Was wissen wir schon vom Leben vor dem Tod», ist einer der locker hingeworfenen Sätze, die schmunzeln lassen – und in denen doch ein Funke Wahrheit steckt. Indem etwas ins Absurde getrieben wird, wie beispielsweise das Berechnen der Anzahl von Personen, die infolge falsch ausgestellter Totenscheine lebend begraben würden, lacht man, ist aber auch etwas betroffen. Die Geschichte ist – wie meist bei Komödien – ziemlich einfach, die Dialoge, der Wortwitz und die Bühnenpräsenz der Schauspieler sind der Pfeffer des Abends.

Ja, und ob Gustav H. Böhm, gespielt von Myrtha Aeberli, tot, oder nicht tot, oder doch letztendlich tot ist – wird hier nicht verraten. Das darf jeder und jede selbst herausfinden. Weitere Vorstellungen: 30. und 31. Januar sowie 6., 7. und 8. Februar im Gemeindesaal Bonstetten.